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17.06.08

Raymund Krauleidis

Sensation: Es gibt es zweites Córdoba!

Einmal mehr präsentierte sich Österreich als vorbildlicher Gastgeber deutscher Touristen: Nahezu kampflos überließen die Hausherren der Elf von Bundestrainer Joachim Löw drei Punkte und somit den noch freien Platz als Viertelfinalgegner von Portugal. Auch eine kurzfristige Umbenennung der Hauptstadt Wien in »Córdoba« – eine Hommage an die gleichnamige argentinische Stadt, in der Österreich Deutschland vor 30 Jahren letztmalig besiegen konnte – vermochte das sehnsüchtig erhoffte »rot-weiße Sommermärchen« nicht herauf zu beschwören. Im Gegenteil ...

Erstaunt waren sowohl Eingeborene als auch Touristen, als am frühen Montagmorgen alle Ortsschilder Wiens auf Geheiß der Stadtverwaltung überklebt wurden. »Willkommen in Córdoba« begrüßte die österreichische Hauptstadt seine Besucher. Die überraschende Aktion wäre den Kickern aus der Alpenrepublik allerdings beinahe selbst zum Verhängnis geworden: Der irritierte Busfahrer der österreichischen Nationalmannschaft machte aufgrund der ungewohnten Ortsangabe mehrfach kehrt und erreichte das Ernst-Happel-Stadion somit erst mit knapp zweistündiger Verspätung. »I wer' narrisch«, soll er dabei immer wieder geflucht haben.

Die Strapazen der ungewöhnlich langen Busfahrt waren der Elf aus Österreich deutlich anzumerken. Nichts war mehr zu sehen vom Glanz der Mannschaft, die noch eine gute Woche zuvor dem Favoriten aus Kroatien ein 0:1 abgetrotzt hatte. Oder dem Zauberfußball, der Österreich im Spiel gegen Polen dank eines geschenkten Elfmeters in der Nachspielzeit den ersten EM-Punkt seit 240 Jahren bescherte.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Kurz vor der Halbzeitpause beschlossen die beiden Bundestrainer Joachim Löw und Josef Hickersberger, sich einen besseren Überblick zu verschaffen und das Spiel fortan von der Tribüne aus zu beobachten. In der 48. Minute schoss Michael Ballack schließlich das überraschende 1:0. Da jedoch der Schwippschwager seiner angeheirateten Großtante österreichische Vorfahren hatte, fiel der Jubel des deutschen Kapitäns eher verhalten aus. Gute 42 Minuten später war das Spiel dann auch schon zu Ende und Deutschland unter den Augen der unvorteilhaft gekleideten Bundeskanzlerin Angela Merkel sensationell eine Runde weiter.

»Es gibt eben doch nur ein Córdoba!«, bemerkte ein österreichischer Spieler unmittelbar nach dem Abpfiff gleichwohl konsterniert wie falsch. Es existiert nämlich sehr wohl noch ein Zweites. Und das liegt rund 860 Kilometer südlich von Gijon – einer Stadt, die die beiden großen Fußballnationen Deutschland und Österreich ebenfalls vereint.

Apropos Gijon: Das Endergebnis war bei der WM 1982 exakt dasselbe – an uns hat's also nicht gelegen. Scheinbar waren die Österreicher dieses Mal einfach nur ein kleines bisschen zu blöd ...



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Raymunds Nachname Krauleidis birgt schon das erste Missverständnis in sich: Er ist nämlich nicht – wie viele vermuten – griechischen Ursprungs, sondern kommt aus Litauen und bedeutet [..]

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